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Die Canossasäule auf dem Burgberg

Nach Canossa gehen wir nicht

Im Jahre 1872 gab es Differenzen zwischen dem Deutschen Reich und dem Vatikan. Der Heilige Stuhl in Rom hatte den deutschen Gesandten abgelehnt, was im Mai 1872 zu einer heftigen Auseinandersetzung im Berliner Reichstag führte. Reichskanzler Bismarck verkündete dabei: „Seien Sie außer Sorge, nach Canossa gehen wir nicht - weder körperlich noch geistig”.

Fünf Jahre später, im Jahre 1877, wurde auf dem Großen Burgberg bei Bad Harzburg die 19 Meter hohe Canossasäule fertiggestellt. Mit diesem Denkmal sollte einerseits an Bismarcks Ausspruch vor dem Reichstag gedacht werden, welcher inzwischen zum geflügelten Wort geworden war. Andererseits erfolgte mit der Säule ein Brückenschlag 800 Jahre zurück in die deutsche Vergangenheit. In jenem Jahre 1077 gipfelte der Streit zwischen Papst Gregor VII. und dem deutschen König Heinrich IV. (dem Gründer der Harzburg) im berühmten Gang nach Canossa. Bei diesem Gang zog Heinrich IV. am 25. Januar 1077 barfuß, im Gewande des Büßers und unter Tränen vor die Burg von Canossa, in welcher sich Papst Gregor VII. aufhielt, um ihn um die Aufhebung des Kirchenbanns zu bitten. Drei Tage musste der arme König so ausharren, bis ihn der Papst schließlich von seinem Bann erlöste.

Dieser Bußgang nach Canossa blieb als (scheinbare) Niederlage der weltlichen Macht noch jahrhundertelang im Bewußtsein der Deutschen lebendig. Aus diesem Grund hatte Bismarcks Ausspruch solch ungeheure Symbolkraft.

Bußgang Heinrichs IV. nach Canossa 1077

Als Gang nach Canossa bezeichnet man den Zug Heinrichs IV. von Speyer nach Canossa zu Papst Gregor VII. im Januar 1077, der den Zweck hatte, die Lösung seiner Person vom Kirchenbann zu erbitten. Deshalb wird heute der Gang nach Canossa im übertragenen Sinne als Bezeichnung für einen erniedrigenden Bittgang verwendet.

Illustration aus der Lebensbeschreibung der Markgräfin Mathilde von Tuszien

Heinrich IV. kniet vor Abt Hugo von Cluny, seinem Taufpaten, sowie vor Markgräfin Mathilde von Tuszien. Diese thront unter einem baldachinartigen Architekturfragment, das die Burg von Canossa symbolisiert. Mathildes Vita verherrlicht das Leben der Markgräfin. Die Buchmalerei ist ein einzigartiges Zeitdokument. Hier wird dargestellt, wie Mathilde 1077 die Loslösung Heinrichs IV. vom Kirchenbann erwirkt.

Die Bildunterschrift lautet übersetzt: „Der König bittet den Abt, auch Mathilde fleht er an“.

Quelle: Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterWikipedia